Was ist Social Dance ?
Ballroom, Tanzschule und Social Dance – worin liegt der Unterschied?
Wenn von Tanzen die Rede ist, dann sind oft sehr unterschiedliche Dinge gemeint. Manche denken an Standard- und Lateintänze, wie sie aus Tanzschulen oder vom Turniertanz bekannt sind. Andere denken an Gesellschaftstanz bei Hochzeiten, Bällen oder Tanzabenden. Wieder andere meinen freies Tanzen auf Musik, wie es auf Festivals, in Biergärten, bei Live-Musik oder in Clubs entsteht.
Bei unseren Treffen ist vor geht es aber um Social Dance. Wie unterscheidet sich dieses ?
Ballroom: Tanzen als festes System
Unter Ballroom versteht man meist die klassischen Standard- und Lateintänze. Dazu gehören zum Beispiel Walzer, Tango, Foxtrott, Quickstep, Cha-Cha-Cha, Rumba oder Jive.
Diese Tänze sind stark systematisiert. Es gibt klare Grundschritte, Figuren, Haltungen, Techniken und Bewertungsmaßstäbe. Das ist sinnvoll, wenn man einen Tanz präzise unterrichten, vergleichen oder sogar im Turnier bewerten möchte.
Ballroom hat dadurch eine eigene Qualität, bei der oft ein festgelegtes Tanzsystem im Vordergrund.
Tanzschule: Tanzen wird unterrichtbar gemacht
Tanzschulen haben eine andere Aufgabe: Sie müssen Tanzen so vermitteln, dass Anfänger einen Einstieg finden. Dafür braucht es klare Namen, Grundschritte, Figurenfolgen und feste Strukturen.
Das ist hilfreich, weil man damit schnell Orientierung bekommt. Man lernt zum Beispiel: „Das ist Discofox“, „das ist Cha-Cha-Cha“, „das ist West Coast Swing“.
Diese Einordnung ist didaktisch verständlich. Sie kann aber auch dazu führen, dass Tänze in feste Raster gepresst werden, obwohl sie in der Praxis viel fließender sind.
Gerade bei offenen Paartänzen wie Country Swing, Four Count Hustle, West Coast Swing oder Salsa sind die Grenzen oft nicht so scharf, wie es im Unterricht manchmal erscheint. Ein erfahrener Tänzer denkt nicht ständig darüber nach, welchen Tanz er gerade exakt ausführt. Er hört die Musik, führt oder folgt, reagiert auf den Partner und bewegt sich passend zum Rhythmus und zu den Akzenten und der Stimmung der Musik.
Social Dance: Tanzen als musikalische Begegnung
Social Dance beginnt dort, wo man aufhört die Schritte zu zählen, Schablonen vergisst und anfängt nach der Musik zu tanzen.
Social Dance meint Tanzen als soziale, musikalische und spontane Begegnung. Es geht nicht darum, eine feste Choreografie vorzuführen oder ein möglichst korrekt Tanzschulprogramm abzuspulen.
Im Mittelpunkt steht die Frage: Passt die Bewegung zu der Musik, zu meinem Partner und zur der Situation?
Beim Social Dance können verschiedene Einflüsse zusammenkommen: West Coast Swing, Salsa, Discofox, Four Count Hustle, Country Swing, Boogie, Rock’n’Roll, Rumba oder einfach freies Tanzen im 4/4-Puls.
Entscheidend ist nicht der Name des Tanzes. Entscheidend ist, ob die Bewegung mit der Musikstimmig ist und in Harmonie mit dem Partner erfolgt. Natürlich sind Grundschritte und Technik hilfreich. Sie geben Sicherheit und machen gemeinsames Tanzen leichter. Aber sie sind nicht das Ziel an sich. Sie sind nur das Werkzeug.
Warum kann man nicht alles in feste Schubladen stecken
Viele Musikstücke lassen sich nicht eindeutig einem bestimmten Tanz zuordnen. Ein Stück kann Elemente von Blues, Soul, Pop, Funk, Rock oder Jazz enthalten. Dann stellt sich nicht nur die Frage: „Welcher Tanz passt laut Lehrbuch dazu?“, sondern eher: Wie kann ich mich so bewegen, dass ich die Musik wirklich aufnehme?
Manche Tänze funktionieren gut auf gleichmäßiger Musik mit klar durchlaufendem Beat. Andere Tänze erlauben mehr Spiel mit Pausen, Betonungen, Phrasen, Breaks und Groove.
Social Dance versteht Tanzen nicht in erster Linie als starres Regelwerk, sondern als Interpretation der Musik und dabei die Kommunikation mit dem Tanzpartner.
Deshalb kann es sinnvoll sein, flexibel zu bleiben. Manchmal passt Discofox. Manchmal passt Four Count Hustle besser. Manchmal liegt West Coast Swing näher an der Musik. Und manchmal entsteht zwischen diesen Formen ein fließender Übergang.
Musikgerecht tanzen
Social Dance bedeutet sich nach der Musik zu bewegen und weniger nach einem festen Tanzschema.
Viele Musikstücke folgen ihrer eigenen inneren Logik. Besonders Blues, Soul, Funk, Jazz, Rock oder anspruchsvollere Popmusik bestehen nicht nur aus einem gleichmäßigen Takt. Sie arbeiten mit Groove, Phrasierung, Pausen, Akzenten, Spannung und Auflösung. Wer diese Musik wirklich hört, möchte darauf auch tänzerisch reagieren.
In Tanzschulen oder bei den Ballroom Tänzen steht dagegen häufig ein vorgegebner Tanz im Vordergrund. Die Musik wird dann danach beurteilt, ob sie zu diesem Tanz passt. Spezielle Tanzmusik wird oft sogar so produziert oder arrangiert, dass sie gut zu bestimmten Grundschritten, Figuren und Abläufen passt. Das ist für Unterricht, Übungsabende oder Turniere sinnvoll, kann die Musik aber auch in eine Art Schablone bringen.
Social Dance geht eher den umgekehrten Weg: Nicht die Musik wird passend zum Tanz gemacht, sondern der Tanz entsteht passend zur Musik. Dabei können Einflüsse aus West Coast Swing, Four Count Hustle, Country Swing, Discofox, Boogie, Salsa oder freiem Tanzen zusammenkommen.
Entscheidend ist nicht, welcher Tanz laut Lehrbuch gerade vorgesehen wäre. Entscheidend ist, ob die Bewegung zur Musik, zum Partner und zur Situation passt.
Kurz gesagt: Beim schablonierten Tanzen wird Musik oft tanzgerecht gemacht. Beim Social Dance versucht man eher, musikgerecht zu tanzen.
Unsere Treffen richten sich deshalb nicht an diejenigen, die einen bestimmten Tanz perfekt und korrekt ausführen wollen, sondern an alle, die Freude daran haben, Musik tänzerisch zu erleben. Anfänger sind willkommen, ebenso erfahrene Tänzerinnen und Tänzer. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern Offenheit, Rücksicht und Lust an de Musik und der Bewegung.
